BewerbungsfotoSind Sie auch gestresst, wenn Sie mal wieder ein aktuelles Foto heraussuchen sollen? Das muss ja nicht nur für eine Bewerbung sein, das kann ja ebenso für die Website des Unternehmens sein, für das Sie arbeiten. Für den Dienstausweis, für soziale Netzwerke, für ein Profil, wo auch immer.

Nehmen Sie da das erstbeste Foto? Das, was Sie seit 5 oder 10 Jahren nehmen, weil es so praktisch ist. Ich kenne viele Profile auf XING oder Facebook, auf denen man die Leute immer in jugendlicher Erinnerung behält. Weil sie es nie austauschen.

Doch was ist, wenn man den Leuten begegnet, die das Foto nie aktualisieren? Ich habe einige Leute auf Veranstaltungen manchmal gar nicht erkannt. Weil das Foto entweder „zu schön“ ist – das Bildbearbeitungsprogramm lässt grüßen. Oder weil auf einmal erwachsene Menschen um die dreißig vor mir stehen, die ich als Twens von den Fotos kenne. Das ist doch verwirrend, oder?

Bei privaten Profilen kann eigentlich jeder machen, was er möchte, ohne Frage. Doch kommen wir zu den Profilfotos, die man beruflich einsetzt. Ein Bewerbungsfoto oder auch das Foto auf der Website, auf der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorgestellt werden.

Wie wichtig ist ein Bewerbungsfoto?

Was sollte man bei einem Bewerbungsfoto beachten? Diese Fragen möchte ich hier beantworten. Aus meiner Sicht und aus meiner Berufserfahrung bisher. Ich kenne beide Seiten: Ich habe zwar nicht in Ihrem Bereich, sondern in kaufmännischen Berufen gearbeitet. Aber ein Personalvermittler tut dies ja schließlich auch. Dort bin ich als Bewerberin aufgetreten. Ich war später ebenso in der Situation Bewerber zu beurteilen, denn ich habe schon einige Bewerbungen gesichtet und vorselektiert. Bewerbungsratgeber schreiben meistens, dass das Bewerbungsfoto wichtig ist und vergessen dabei die wichtigsten Tipps. Ich hoffe, dieser Artikel bringt Ihnen ein bisschen mehr Informationen als das bisher Gelesene.

Einstellungskriterium Bewerbungsfoto?

Selbstverständlich wird keiner aufgrund seines besonders guten Aussehens eingestellt / nicht eingestellt und ebenso kann ein schlechtes Foto keine Karriere verhindern – wenn man gut ist. Eine pflichtgemäße und sorgfältige Ausübung der beruflichen Tätigkeit ist vom Foto völlig unabhängig.

Warum sollte man selber auf ein gutes Bewerbungsfoto nicht verzichten und darauf Wert legen?

Pro Bewerbungsfoto

Ein Bewerbungsfoto ergänzt den ersten Eindruck einer Bewerbung. Ein Foto rundet eine Bewerbung ab. Ein Foto ist meistens das einzige, was man neben Buchstaben und Zahlen sieht. Ich bin ein visueller Mensch, ich brauche Bilder. Dabei ist es mir nicht wichtig, wie ein Mensch aussieht, sondern, was sie oder er ausstrahlt. Und da kommen wir zu einem wichtigen Punkt. Ein Bewerbungsfoto sollte sympathisch wirken. Kein Hochglanz, keine Posen, einfach sehr natürlich und herzlich. So, wie Sie in Ihren Berufen sind – in der Pädagogik oder in der Medizin und Pflege.

Ein Bewerbungsfoto sollte meiner Meinung nach folgende „Ansprüche“ erfüllen:

  • Natürlich und sympathisch wirkend, so wie Sie sind (ein Lächeln trägt dazu bei),
  • den richtigen Bildausschnitt haben (weder zuviel Hintergrund, noch zu wenig – sonst wirken sie klein und unbeholfen oder sehr massig / bildausfüllend; egal welche Statur Sie haben),
  • Schicken Sie kein Ganzkörperfoto, konzentrieren Sie sich auf Ihr Gesicht bei der Fotoauswahl
  • Lassen Sie Ihre Fotos von einem Fotografen anfertigen. Nehmen Sie aber keinen Passfoto-Fotografen, sondern jemanden (z. B. eine/n freiberufliche/n Fotograf/in), der Menschen natürlich fotografiert, Urlaubsfotos oder Freizeitfotos sind ein Nogo,
  • Aktualität – wenn eine Typänderung stattgefunden hat, lassen Sie neue Fotos machen, keiner erkennt Sie sonst wieder, wenn sich Ihre Haarfarbe oder -länge drastisch verändert hat,
  • Apropos, mein ganz persönlicher Tipp: Tragen Sie die Haare so, wie Sie auch zur Arbeit gehen – bei langen Haaren meistens zusammengebunden, keine Riesen-Ohrringe oder Monsterketten (auch wenn Sie diese in der Freizeit lieben sollten, dann lassen Sie lieber eine zweite Foto-Serie noch privat anfertigen)
  • Vermeiden Sie starke Farben oder Muster Ihres Oberteils, das man noch ein bisschen sieht, das lenkt von Ihrem sympathischen Lächeln zu sehr ab
  • Vermeiden Sie den unbeteiligten Blick ins Leere, lächeln Sie die Kamera beim Fotografieren an – so, wie Sie den Personalvermittler anlächeln würden, wenn er Ihnen sagt, dass er den Traumjob für Sie gefunden hat.

Klingt unerreichbar schwierig? Nein, wirklich nicht! Recherchieren Sie nach Fotografen und schauen Sie sich die Referenzen an. Wenn Ihnen der Fotografie-Stil gefällt, verabreden Sie ein Vorgespräch. Nehmen Sie diese Liste mit und zeigen Sie sie im Gespräch vor. Achten Sie darauf, dass genügend Zeit eingeplant ist, damit nichts hektisch wird.

Viel Spaß beim Erstellen Ihres sympathischen Bewerbungsfotos. Ganz wichtig finde ich auch noch, sich Feedback von Bekannten und Freunden einzuholen. Da kommt bestimmt auch das eine oder andere Kompliment, wenn Sie auf dem Foto wirken, wie Sie sind.

Contra Bewerbungsfoto

Eine wichtige Info zum Schluss, nämlich dass der Gesetzgeber dafür gesorgt hat, dass ein Bewerbungsfoto für eine Stellenbewerbung nicht nötig ist. Heißt das „Aufatmen?“, war dieser Artikel umsonst? Eher nicht, denn wir alle möchten uns doch gern ein „Bild machen“.

Rechtlicher Hintergrund: Die Verabschiedung des AGG (Allgemeines Gleichstellungssetz) zur Vermeidung der Diskriminierung von Bewerbern.

Foto: pixabay 690614, CC0 Public Domain