Schwarz auf weiß: Familienfreundlichkeit beim Pflegewerk

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Bei der Verleihung des Qualitätssiegels (v.l.n.r.): Corina Kuhnert (Bereichsleiterin Pädagogik und Prokuristin), Rouven Baumann (Geschäftsführer), Ute Schubert-Stähr (Prüferin der Bertelsmann Stiftung).

Für ihre mitarbeiterorientierte Personalpolitik und Familienfreundlichkeit hat die Pflegewerk GmbH im Herbst 2015 das Qualitätssiegel

„Familienfreundlicher Arbeitgeber“

der Bertelsmann Stiftung erhalten.

Unternehmen haben seit 2011 die Möglichkeit, an einem standardisierten Zertifizierungsverfahren zum Erhalt des Siegels teilzunehmen. Herzstück der Erhebung ist eine Befragung aller Mitarbeiter. Das Prüfverfahren bietet außerdem die Möglichkeit, das Thema Familienfreundlichkeit unternehmensintern zu etablieren und nachhaltig weiterzuentwickeln.

Die Bertelsmann Stiftung zertifiziert und berät in erster Linie kleine und mittelständische Betriebe.

Ute Schubert Stähr, Prüferin der Bertelsmann Stiftung, spricht im Interview mit dem Pflegewerk über das Qualitätssiegel und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

 

Frau Schubert-Stähr, Familienfreundlichkeit ist ein facettenreicher Begriff. Was bedeutet er für Unternehmen?

Zentrales Element ist die gute Interaktion des Arbeitgebers mit seiner Belegschaft beziehungsweise das Interesse der Führungskraft an ihren Mitarbeitern. Familienfreundlichkeit darf nicht auf bestimmte Lebensphasen – etwa die Erwerbstätigkeit von Müttern mit jungen Kindern – reduziert werden. Sie kann genauso gut bedeuten, dass ein Mitarbeiter seine alten Eltern oder den kranken Lebenspartner pflegt und deshalb seine Arbeitszeit vorrübergehend reduzieren muss.

Mitarbeiter brauchen deshalb die Gewissheit, sich auch mit ihren privaten Belangen an ihren Chef wenden zu können. Daran schließt sich das gemeinsame Bemühen um eine individuelle Lösung, welche die Bedarfe beider Seiten berücksichtigt, an. Wegen ihrer flachen Strukturen und kurzen Entscheidungswege haben kleine und mittelständische Unternehmen an dieser Stelle entscheidende Vorteile.

 

Sie haben die kleinen und mittelständischen Unternehmen genannt. Warum lohnt sich eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf gerade für diese Betriebe?

Familienfreundlichkeit in Unternehmen ist in erster Linie eine Frage der Haltung und Unternehmenskultur. Hier punkten kleine und mittelständische Betriebe durch die Nähe der Geschäftsleitung zu den Mitarbeitern. Die Vorteile einer guten Vereinbarkeit liegen auf der Hand und sind: Zufriedene Mitarbeiter, eine geringere Fluktuation und in der Folge reduzierte Kosten für die Personalbeschaffung.

Wer Familienfreundlichkeit authentisch lebt und kommuniziert, handelt verantwortungsvoll und positioniert sich als attraktiver Arbeitgeber.

 

Aus Ihrer Beratungspraxis: Was hat sich in den vergangenen Jahren mit Blick auf das Thema Familienfreundlichkeit getan?

Das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Vereinbarkeit von Beruf und Familie in unserer Gesellschaft ist deutlich gestiegen. Väter und Mütter wollen sich die Erziehung ihrer Kinder heute vielfach teilen, die Tabus um die Pflege von Angehörigen schwinden langsam. Strukturell hat sich ebenfalls einiges getan – zum Beispiel durch die Gründung der lokalen Bündnisse für Familie. Wir sind also auf einem guten Weg.

 

Wie haben Sie das Bewusstsein für das Thema Familienfreundlichkeit beim Pflegewerk erlebt?

Als sehr positiv. Beim Workshop vor Ort beeindruckten mich das gute Betriebsklima sowie die vertrauensvolle Atmosphäre unter den Kollegen und mit den Führungskräften.

In der Befragung und den persönlichen Gesprächen zeigte sich eine wertschätzende Kultur des Gebens und Nehmens: Die Kollegen haben das Gefühl, bei privaten Engpässen auf die Unterstützung der Geschäftsleitung zählen zu können. Die Führungskräfte leben ein familienbewusstes Engagement. Das sind günstige Voraussetzungen für eine sinnvolle Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

 

Linktipps zum Thema:

>>  Zum Zertifizierungsverfahren der Bertelsmann Stiftung

>>  Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zu den Leitsätzen der NEUEN Vereinbarkeit.