„Als Erzieher hast du kein Geld, kein Ansehen und kaum Karrieremöglichkeiten“ – für Männer ist es nicht leicht, sich gegen weitverbreitete Vorurteile und  für einen der schönsten und wichtigsten Berufe zu entscheiden. In unserer Gesellschaft wird frühkindliche Pädagogik nach wie vor als Aufgabe von Frauen angesehen.

Über die Frauenquote in Führungspositionen wird oft diskutiert, doch wie sieht es mit einer Männerquote bei sozialen Berufen aus? Der Mangel an männlichen Erziehern liegt nicht am fehlenden pädagogischen Interesse. Ausschlaggebend ist vielmehr der Verdienst, der im Hinblick auf die tägliche Verantwortung sehr gering ausfällt und das negative Image des Berufs.

Kinder profitieren von männlichen Erziehern

Längst ist klar, wie wichtig männliche Bezugspersonen für die Entwicklung von Kindern sind und dennoch sind männliche Erzieher in Kitas ein seltener Anblick. Dabei können Jungen ebenso wie Mädchen von einer männlichen Bezugsperson profitieren.

Männer bringen ein erweitertes Spiel- und Bewegungsangebot mit. Sie können einen möglichen familiären Mangel an männlichen Bezugspersonen ausgleichen und somit vor allem bei Jungs das Aggressions- und Gewaltverhalten positiv beeinflussen. Studien haben herausgefunden, dass Jungen in den ersten zehn Jahren benachteiligt sind, wenn sie keine männlichen Rollenvorbilder haben, weil Erzieherinnen unbewusst eher aufmerksame Mädchen belohnen.

Vor allem Kinder aus sozial schwachen Familien würden von männlichen Erziehern stark profitieren, sagen Pädagogen. Denn viele dieser Kinder wachsen mit alleinerziehenden Müttern ohne Väter auf – ihnen fehlt eine männliche Bezugsperson. Viele der weiblichen Fachkräfte wünschen sich zur Unterstützung, und vor allem zur Ergänzung, ebenfalls männliche Kollegen.

Für Kitas und Kindergärten lohnt sich die Einstellung von männlichem Personal aus einem weiteren Grund: Je mehr Männer in der Kita arbeiten, desto begehrter sind die Plätze in dieser Einrichtung. Generell lässt sich sagen, dass der Anteil an Männern das Prestige des Berufsbilds anhebt.

Vorurteile immer präsent

Männer brauchen viel Selbstvertrauen, um Erzieher zu werden. In manchen Kitas dürfen männliche Fachkräfte beispielsweise Kleinkinder nicht wickeln. Gerade hier ist es wichtig, Vertrauen zu schaffen und den Eltern im direkten Kontakt klarzumachen, dass ihr Kind in guten Händen ist.

Mehr männliche Erzieher in Krippen und Kindergärten – das fordern viele, von Frühpädagogen bis zur Bundesregierung. Und die Eltern – was meinen Sie dazu? Wir sind gespannt und freuen uns auf Ihre Kommentare und Erfahrungen!