Gesundheits-, Kranken-, Kinderkranken-, Altenpfleger und Pflegehelfer sind vergleichsweise junge Berufe, die sich erst im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt haben und seither immer weiter professionalisiert wurden. Ein Blick auf die Pflege im ambulanten und stationären Bereich zeigt, dass überwiegend Frauen in den Pflegeberufen beschäftigt sind.

Ohne Frauen läuft nichts: Über 70 Prozent der Hauptpflegepersonen in der häuslichen Pflege sind Frauen – Ehefrauen, Töchter, Schwieger- oder Enkeltöchter. Noch eindeutiger ist der weibliche Anteil in der professionellen Pflege. Nach den Angaben der Pflegestatistik 2007 beträgt der Frauenanteil in den ambulanten Pflegediensten 88 Prozent und in den Pflegeheimen 85 Prozent.

Was macht die Pflege so unattraktiv für Männer?

Seit jeher waren es vor allem Frauen, die im pflegerischen Bereich tätig waren. Und auch heute noch wird die Altenpflege als klassischer Frauenberuf betrachtet. Das liegt unter daran, dass sich manche Klischees, in der Gesellschaft beharrlich halten: Frauen seien von Natur aus fürsorglich und mütterlich, quasi biologisch auf Pflege gepolt. Und Männer hielten es unter ihrer Würde, fremde Hintern abzuwischen.

Unsere Welt ist eine Männerwelt. Männer werden als nicht so männlich angesehen, wenn  sie  in  die  Pflege  gehen.  Und Männer sind dazu  erzogen worden, keine  Mädchen zu sein oder irgendetwas zu tun, was mit weiblichen Tätigkeiten zusammenhängt. Wenn Männer heranwachsen, sind sie hauptsächlich von Frauen umgeben. Denn der Beruf der Erzieher ist eine Frauendomäne, ebenso wie die Pflege. Es fehlt an maskulinen Vorbildern, die den Jungen zeigen, dass auch soziale Arbeitsfelder für sie erstrebenswert sein können. Junge  Frauen  entscheiden  sich  vor  allem für  Tätigkeiten  im  Dienstleistungs-­, Sozial-­ oder Gesundheitsbereich. Diese sind leider immer noch häufig niedrig entlohnt, haben ein geringes gesellschaftliches Ansehen und bieten wenige Aufstiegsmöglichkeiten. Ausnahmen sind die Managementebenen, aber dort sind wenige Frauen zu finden. Männliche Jugendliche hingegen zieht es mehrheitlich in die produzierenden, industriellen und technischen Berufe mit höheren Gehältern und besseren Karrierechancen.

Noch immer wird in Deutschland die Produktion von Gütern besser honoriert und höher bewertet als die Erziehung von Kindern oder die Pflege Kranker und Alter. Ohne eine deutlich gesteigerte gesellschaftliche wie auch finanzielle Anerkennung der Pflege-Arbeit werden die künftigen Pflegeaufgaben aber nicht zu leisten sein.

Mehr Männer in die Pflege

In Zukunft wird es verstärkt darum gehen müssen, Pflegeberufe auch für Männer selbstverständlich und attraktiv zu machen. Denn beispielsweise „alte Männer“ benötigen in manchen Situationen „pflegende Männer“, die sie als Männer wahrnehmen und männlichen Interessen und Ausdrucksformen Raum verschaffen. Einem Wunsch der Pflegebedürftigen nach gleichgeschlechtlicher Pflege ist ohne männliches Personal nicht zu realisieren. Aber auch für die zu pflegenden wie auch die pflegenden Frauen in den Einrichtungen könnten Männer eine Bereicherung darstellen.

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Für eine bessere Lesbarkeit des Textes haben wir auf die Nennung der weiblichen Form verzichtet. Selbstverständlich sind Frauen gleichermaßen angesprochen. Wir bitten um Verständnis.

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