Rudolf SchubertTeams in Kindertagesstätten sind immer häufiger multiprofessionell zusammengesetzt.

Wie kann der Personalmix sinnvoll gestaltet werden? Drei Fragen an Qualitätsentwickler Rudolf Schubert von der Ressourcenwerkstatt Bamberg.

 

Begriffsklärung: Was genau ist unter multiprofessionell zu verstehen?

Wir verstehen darunter in erster Linie ein Betreuungs- oder Kooperationsteam, dessen Mitglieder aus unterschiedlichen Berufsgruppen stammen. Das können Erzieher, Kinderpfleger, Sozialpädagogen, Heilpädagogen oder Vertreter verschiedener Fachdienste wie Physiotherapeuten und Psychologen sein. Im weiteren Sinne zählen auch Eltern oder ehrenamtlich Engagierte dazu.

Neben der Öffnung für andere Professionen im Kernteam einer Einrichtung gehört die Vernetzung mit anderen Institutionen (zum Beispiel im Bereich der frühen Hilfen, mit sozialpädiatrischen Zentren etc.) ebenfalls zum so genannten „interdisziplinären Setting“.

In vielen Kindertagesstätten steigt der Bedarf an qualifiziertem Personal außerhalb der klassischen „Erzieher-Berufe“. Woran liegt das?

Das hat verschiedene Gründe. Der Anspruch auf die Förderung der kindlichen Persönlichkeit ist im Sozialgesetzbuch verankert – und zwar unabhängig von sozialer oder nationaler Herkunft. Davon abgeleitet ist das Recht auf Chancengleichheit, das in unserer interkulturellen Gesellschaft und für die tägliche Arbeit in Kindertagesstätten eine besondere Herausforderung darstellt.

Fakt ist: Kinder wachsen heute anderes auf als noch vor 30 Jahren. In der Soziologie und Pädagogik sprechen wir von einer Pluralisierung und Individualisierung der Lebens- und Familienformen. Kindertagesstätten sind also längst keine reinen Betreuungsinstitutionen mehr, sondern haben einen weitreichenden Erziehungs- und Bildungsauftrag. Konkret zeigt sich das zum Beispiel am Ausbau von Kitas zu Familienzentren, an Programmen zur sprachlichen Bildung, aber auch in der verstärkten Nachfrage nach individuellen Betreuungszeiten.

Die Personalstruktur in Kindertagesstätten hat sich in den vergangenen Jahren ebenfalls verändert. Pädagogische Einrichtungen gehören zu den wachstumsstärksten Arbeitsmärkten der Bundesrepublik: Der Bedarf an Fachkräften ist enorm, die beruflichen Qualifikationen verändern sich und Quereinsteiger-Programme nehmen zu.

Multiprofessionell zusammengesetzte Teams lassen sich als eine Reaktion auf diese gesellschaftlichen Entwicklungen verstehen.

Welche Chancen und Risiken bietet die Multiprofessionalität?

Kinder profitieren von multiprofessionellen Teams, weil sie für ihre ganzheitliche Entwicklung unterschiedliche Kompetenzen brauchen. Auch die Teammitglieder selbst berichten häufig von Arbeitserleichterung, Wissenszuwachs und gestiegener Professionalität in ihrer Einrichtung.

Allerdings erfordert die Multiprofessionalität ein hohes Maß an fachlicher Auseinandersetzung – gerade in der Aufbauphase des Teams. Da die Ressourcen meist knapp sind, besteht die Gefahr der Verzettelung und „Verwässerung“ der pädagogischen Arbeit. Werden Teamprozesse nicht durch Supervisionen begleitet, drohen Konflikte und mangelnde Arbeitszufriedenheit.

Multiprofessionalität ist dem zu Folge kein Selbstläufer, sondern bedarf spezifischer Einarbeitungs- und Personalentwicklungskonzepte. Wenn es gelingt, die verschiedenen Kompetenzen innerhalb eines Teams sinnvoll miteinander zu kombinieren, entsteht eine hochwertige pädagogische Arbeit. Multiprofessionalität ist dann durchaus ein Qualitätsmerkmal der Kindertagesstätte.

Sie wollen mehr über die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams erfahren? Einfach das Seminar der P-Werk Akademie mit Rudolf Schubert am 11/12. Oktober in Esslingen besuchen!

Details auf der Seite der P-Werk Akademie