Gestern ging das Kind noch vergnügt in Krippe oder Kindergarten, heute gibt es lautstarken Protest und Gebrüll. Für die meisten Mütter und Väter kommt der Unwille des Nachwuchses völlig überraschend und scheinbar grundlos. Nicht selten endet das morgendliche Abschiedsdrama dann auch noch mit Tränen bei Kindern und Eltern.

Gefühle des Kindes ernst nehmen

Was könnte dahinter stecken? Das ist die wichtigste Frage, die Sie sich stellen müssen, wenn sich Ihr Kind, das eigentlich gerne in die Kita geht, auf einmal nicht mehr dorthin will. Auch nach erfolgreicher Eingewöhnung gibt es für die Kleinen zahlreiche unterschiedliche Gründe, die ihnen den Spaß am Kindergarten vermiesen.

Selbst Kleinigkeiten, die Erwachsene gar nicht registrieren würden, können ein Kind aus der Bahn werfen:

  • die Lieblings-Erzieherin ist nicht da
  • Streit mit dem besten Freund
  • die Toiletten sind dreckig
  • das Essen schmeckt nicht
  • die Erzieherin hat geschimpft
  • das Kind fühlt sich aus der Gruppe ausgeschlossen
  • das Kind (im Vorschulalter) fühlt sich unterfordert oder gelangweilt

Die Frage „Warum willst du nicht in den Kindergarten?“ wird das Kind unter Umständen nicht beantworten können. Vielleicht ist ihm selbst nicht klar, was die Ursache ist. Da hilft nur ein ruhiges Gespräch, vielleicht abends vor dem Einschlafen. Lassen Sie ihr Kind erzählen und beobachten Sie es dabei. Vielleicht finden Sie so heraus, was ihm zu schaffen macht und bedrückt.

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Das hilft bei der Suche nach den Ursachen:

Rollenspiel: Wenn Kinder mit den Puppen oder den Kuscheltieren spielen, stellen sie oft Szenen nach, die sie im Alltag erlebt haben. Wenn Sie gemeinsam Kindergarten spielen, erfahren Sie vielleicht die Ursachen des Kita-Streiks.
Malen/Zeichnen: Beim freien Zeichnen können Kinder ihre Emotionen ausdrücken.
Gemeinsame Zeit: Kinder rücken oft nur nebenbei mit der Sprache heraus, wie es ihnen wirklich geht. Widmen Sie Ihrem Nachwuchs, wenn möglich, mehr Zeit ohne jegliche Termine.
Erzählstunde: Kinder fasziniert es, wenn Eltern von sich als Kind erzählen und es macht ihnen Mut zu hören, wie Mama und Papa Probleme gemeistert haben.

Wie sollen Eltern streikender Kinder reagieren?

Das weinende Kind mit nach Hause nehmen oder es unter Tränen im Kindergarten abgeben? Welches der beste Weg ist, lässt sich kaum pauschalisieren, denn jede Situation ist individuell.

Manche Kinder beruhigen sich, wenn sie beim Abschied von den Erziehern abgelenkt werden, sie vergessen ihren Unwillen im Spiel mit den anderen Kindern. Es kann einem Kind auch helfen, wenn es sein Lieblingsstofftier mitnimmt. Findet es schwer Anschluss, können Sie andere Kinder aus der Gruppe zu sich nach Hause einladen, um das Eis zu schmelzen.

Als wenig hilfreich erweist es sich, dem weinenden Kind nachzugeben. Einerseits kann das zu täglich neuen Diskussionen führen, andererseits muss Ihr Kind auch lernen, sich mit unliebsamen Situationen auseinanderzusetzen und eventuelle Ängste zu überwinden. Bedenken Sie, dass es spätestens im Schulalter nicht einfach wegen seines Unwillens zu Hause bleiben kann.

Es gibt allerdings Probleme, die es durchaus rechtfertigen, dem Kind eine Kita-Pause zu gönnen oder einen Gang zurückzuschalten. Allerdings sollte eine Pause auch ausdrücklich als solche definiert werden, das zu Hause bleiben muss dem Kind klar als Ausnahme vermittelt werden. Eine weitere Möglichkeit ist es, den Aufenthalt in der Kita zunächst zu verkürzen, indem Sie es später hinbringen und früher abholen. Nach und nach können Sie die Dauer ausdehnen. Ihr Kind erfährt so die Bestätigung, dass seine Bedürfnisse ernst genommen werden, und erhält zugleich die Gelegenheit, sich sukzessive mit der Situation zu arrangieren.

Wenn das Kleine öfter streikt, sollten Eltern das Gespräch mit den Erzieherinnen suchen. Eine erfahrene  Erzieherin hat ein Gespür dafür, ob sich das Kind im Kindergarten wirklich unwohl fühlt, und kann meist sagen, woran das liegt. Gemeinsam kann man dann nach einer Lösung suchen.

Bleiben alle Bemühungen erfolglos, kann der Gang zu einem Psychologen sinnvoll sein, um die Ursache für die Verweigerung herauszufinden und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

 

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